nach dem Orlando Furioso von Ludovico Ariosto

Bürgersaal

Neues Rathaus, Trammplatz 2, 30159 Hannover

zum 175. Jubiläum des HKV 6.-28.06.18 Künstlervereins
6.06.-28.06.18

Vernissage. 6.06.18, 18:00

„Der rasende Roland“ – „Orlando furioso“ (1516) von Ludovico Ariosto ist der Hauptinspirator der Ausstellung. Er hat schon so viele Kunstwerke angeregt (Giambattista Tiepolo, Jean-Auguste-Dominique Ingres, Eugène Delacroix, Gustave Doré, Antonio Vivaldi, Georg Friedrich Händel, Luca Ronconi, Italo Calvino u.a.).

Als er für eine Frau seinen Verstand verlor, fuhr sein Freund mit dem Hippogryph bis zum Mond (den Ort der verlorenen Dinge), um dort seinen Verstand unter den Tausenden von Menschen auf der Erde verlorenen Dingen zu suchen.

Und Menschen verlieren ständig nicht nur Dinge, sondern auch Worte, Werte, Tierspezies, Naturressourcen, Beziehungen, Träume.

Wir selber machen uns so oft auf die Reise in der stillen Absicht, etwas Verlorenes wieder zu finden. Wie hat denn der Mond für den Freund von Roland ausgeschaut? Unter so vielen unwichtigen Gegenständen suchte er etwas so Wertvolles wie den Verstand von Roland.
Und wie schaut ein Verstand aus? Der Verstand ist so schwer vorstellbar ...
Erinnerung ist viel mehr als eine Idee. Sie hat einen hohen Erkenntniswert, wirkt nicht rein therapeutisch auf unsere Seele: die Zeit still legen, eine Zeitlupe im Alltag einbauen – und gleich kommen alte Emotionen wieder.
Roland war nur das erste Opfer der Wirklichkeit in der neueren Literatur, dann kamen Hamlet und Don Quijote dazu. In der Kunst allein gibt es den Trost für einen anscheinend verlorenen Kampf, weil es in der Kunst nicht um Herrschaft geht, sondern um würdiges Scheitern.
Die Dimension der Zeit bleibt eine der grausamsten Wirklichkeiten, mit der sich der Mensch auseinandersetzen muss. Das Vergehen der Zeit hat eine zerstörerische Wirkung. Wenn man nichts tut, hinterlässt sie nur Friedhöfe, oder noch schlimmer: das Nichts.
In dieser Auseinandersetzung haben KünstlerInnen aber einen Vorteil: Kunstwerke sind Zeichen, die auch Anderen – den Betrachtern – Vorteile einräumen. KünstlerInnen können mit dem mechanischen Vergehen der Zeit ringen und Situationen, Dinge, Beziehungen vor dem Verschwinden, vor der Vergessenheit retten.
Worum geht es bei dieser Rettung? Geht es nur um die Form? Und leistet man damit nur Trauer-Arbeit, oder geht es um etwas Tieferes? Vielleicht geschieht doch viel mehr.

Shann Born-Kraeff, MAR PACIFICO,  Öl auf Leinwand, 200 x 1.20 cm

Yasemin Kekec, Irene Klaffke, Antje Hinze, Gisela Schmid, Ingrid Rogge, Marion Kerns-Röbbert, Svetlana Bertram-Belash. Galina Kapitan, Ludmila Sauerwein, Barbara Sowa, Birgit Schrader, Hinrich Storch